|
Es gab keine strikte Grenzlinien zwischen Geburtshelferinnen, Kräuterweibern und „weisen“ Frauen. Das geburtshelfende und gynäkologische Wissen dieser Frauen umfasste u.a. die Vorsorge bei der Schwangerschaft, Rezepte bei Unfruchtbarkeit und die Anwendung von krampfstillenden, schmerzlindernden und wehenfördernden Kräutern. So wurden z.b. Wachholder, Kamille, Beifuß und Mutterkorn in Form von Tränken, Räucherungen, Dämpfen und Umschlägen verwendet um den Geburtsvorgang zu erleichtern. Das Wissen um Verhütungsmittel, Schwangerschaftsabbrüche und von bewusst herbeigeführten Totgeburten war bei den Hebammen weit verbreitet und die Empfängnisverhütung wurde im späten Mittelalter auf vielfältige Art und Weise praktiziert. Diese sexualtechnischen Kenntnisse, insbesondere auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung und des Schwangerschaftsabruches ließen sie häufig in Konflikt mit der kirchlichen Sexualmoral geraten. Für diese Frauen mit ihrem spezialisierten Wissen entstand die althochdeutsche Bezeichnung „hefihanna“, auch „hevanna“(ca. 8/9. Jh n Chr.), was „hebende Ahnfrau, Hebemutter“ bedeutet. Aus „anna“ für „Ahnfrau, ältere Frau“ und „hev-, hefi-, heb-„ für „heben“, was wahrscheinlich einen religiösen und rechtlichen Akt der Germanen bezeichnete. Im Laufe der Zeit vollzog sich dann die Sprachwandlung zu „hevamme“ und „hebamme“, die dann in den neuhochdeutschen Sprachschatz einging.
|